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Walk of Fame – argentinischer Art

ein zweiter kleiner Exkurs zu einem argentinischen Phänomen

 

Keinemder auf den schier unendlichen Rutas Argentiniens unterwegs ist, entgehen die auf den Asphalt gemalten gelben Sterne. Sie tauchenimmer wieder unvermittelt auf; mal einsam im Nirgendwo an einem namenlosen Strassenabschnitt, dann wieder zu zweit oder gar in Gruppen von bis zu acht gelben Sternen. Meistens steht in handgemalter Schrift ein Vorname bei jedem Stern.

Ein argentinischer Walk of Fame?

Wenn man wie ich mehr als zehntausend Kilometer kreuz und quer durch Argentinien fährt, hat man genug Zeit um sich über diese Sterne Gedanken zu machen.

 

 
 

 

Bei Einheimischen Tankwarten nach gefragt war, das Geheimnis rasch gelüftet;

Dieser argentinische Walk of Fame ist ein Denkmal, ein Mahnmal für die unzähligen Verkehrsopfer auf diesen Strassen.

Seit einigen Jahren gibt es die NGO Organisation „Estrella Amarillas“ und die „Fundation Laura Cristina Ambrosio Battistel“ die sich voll und ganz dem Kampf gegen Unfälle – besonders im Strassenverkehr widmen.

Wie fatal die Situation auf den Landstrassen und in den Ortsdurchfahrten ist, belegt der Jahresbericht der lokalen Organisation dieses Netzwerkes in Tierra del Fuego; in diesem kleinen Teilstaat von Argentinien, tief im Süden und dünn besiedelt, wurden allein für das Jahr 2012 im gesamten 42 Sterne von Angehörigen der Verkehrsopfer auf den Asphalt gemalt.

Ich selber erinnere mich in der Umgebung von Rio Grande an einem einzigen Punkt acht Sterne gezählt zu haben. Es war ein Unfall mit jugendlichen in vollbesetzten Autos auf dem Weg vom Ausgang nach Hause, wie ich später in Ushuaia erfuhr.

Ich habe in verschiedenen Quellen die Angaben von 35 bis 45 Verkehrsopfer in Argentinien gefunden – tägliche Opfer. Welche Angabe nun korrekt ist, spielt keine grosse Rolle, wenn man schon nur die niedrigere Zahl auf ein Jahr hochrechnet! Es ist und bleibt erschreckend viel.

Es ist nicht nur die Eintönigkeit der schnurgeraden Strassen, oder die Wetter- und Windeinflüsse die hässliche Unfälle fördern, sondern auch die hohen Geschwindigkeiten mit denen hier fast jeder unterwegs ist. Die Lastwagen haben wie in Europa ein Limit von 80 km/h, die Reisebusse eines von 100 und für Pkw und Motorräder gilt 110 km/h. Während sich die meisten LKW Fahrer trotz ihrer Bezahlung nach Kilometern mit achtzig bis neunzig Kilometer in der Stunde in etwa an die Regeln halten, sind die Micro genannten Reisebusse die im Linien- und Fahrplanverkehr zwischen den Städten verkehren, zügiger unterwegs und reizen mit gewagten Überholmanöver jede Möglichkeit um schneller vorwärts zu kommen voll aus. Aber auch diese Kutscher werden von den rasenden Pickups und Limousinen locker übertroffen. Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h sind keine Seltenheit... Ich bin meist mit 90 bis 100 km/h unterwegs – zum einen weil ich kein Rennen fahre und vor allem möglichst viel sehen will. So bin ich etwas schneller als die LKW um diese nicht zu behindern und deutlich langsamer als die Micros die mich mit viel Wind und Turbulenzen überholen können. Regelmässig werde ich aber von PKW's mit so horrender Geschwindigkeit überholt, dass es mich fast wegbläst.

 
(Quelle. http://www.estrellasamarillas.com.ar/category/institucionales )

 

Dann und wann tauchen Check Points der Gendarmerie Nacional auf. Zum einen ist dort die Geschwindigkeit bis auf 20 km/h reduziert, woran sich niemand hält, zum anderen ist bei diesen lokalen Polizeistationen auch gleich eine Schrott Ausstellung zu sehen, die die gesammelten Unfälle der letzten Jahre auf zeigen. So deformiert wie diese Wracks erscheinen, kann nur sehr, sehr hohe Geschwindigkeit gewirkt haben.

Ähnlich ist auch der Verkehr in den Städten.

Für viele gilt einfach „ich zuerst“. Wer früher und lauter hupt hat Vortritt...

 

Links zu den Vereinigungen: 

http://www.estrellasamarillas.com.ar/category/institucionales/

http://www.fundalauracristina.org.ar/principal.html