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Vina del Mar - Buenos Aires


vom Pazifik zum Atlantik

Wir kehrten der doch kühlen und nebligen Pazifikküste den Rücken zu und genossen die rasche Fahrt auf sehr guten Strassen nach Osten. Vor uns lagen nun die Anden. Über den Pass Cristo Redentor führt die direkteste Strasse nach Mendoza in Argentinien. Da wir wussten, dass eine gewaltige Baustelle den Verkehr behindert und Sperrzeiten einzuhalten sind, suchen und finden wir im Städtchen Los Andes ein herrlich schönes Hotel. Bereits um fünf Uhr früh starten wir um die Durchfahrt über den Pass zu schaffen. Wunderbar das Lichtspiel des beginnenden Tages. Klar und in unendlich vielen Farben kündet sich der Tag an. Alles läuft bestens bis wir an eine lange, sehr lange Kolonne von Lastwagen kommen. Die linke Spur ist tief ausgebaggert und wartet auf den neuen Belagseinbau. Mit dem Motorrad ist es möglich den ganzen Stau zu überholen. Nach vielen Kilometern mit Truck an Truck, sehen wir die Ursache des Staus; ein Sattelschlepper hat zu wenig weit ausgeholt und so ist ihm der Auflieger in die ausgebaggerte Gegenfahrbahn abgerutscht. Während meine hilfreiche Beifahrerin zu Fuss den weiteren Weg nach oben erkundet, wende ich und suche eine Abfahrtsmöglichkeit in die tiefer liegende Baustelle. Bald schon knattere ich mit der BMW im tiefen Schutt und Sand der Baustelle und kann den verunglückten LKW überholen. Eine Kurve weiter wartet die beste Sozia aller Zeiten schon auf mich und zeigt eine Ausfahrt aus der Baugrube. Flugs gehts weiter, denn die Sperrfrist läuft ab... hoch oben am chilenischen Zoll werden wir heraus gewunken und müssen warten wie und ob es in Richtung Argentinien weiter gehen kann. Hilfsbereite Autofahrer bringen Ursula ein wärmende Decke. Es ist recht kühl, immer hin sind wir auf über dreitausend Metern und die Sonne ist hier noch hinter den Bergen verborgen. Endlich können wir weiter fahren. Doch nach dem Tunnel endet die Fahrt bereits am argentinischen Checkpoint; nichts geht mehr. Für uns und andere Reisende ist hier Feierabend. Wir müssen die Sperrzeit abwarten und können dann Abends weiter fahren.

Spät abends treffen wir in Uspallata ein, beziehen ein fragwürdiges Hotel. Längst haben wir schon beschlossen am nächsten Morgen ein Stück zurück zufahren um die atemberaubende Landschaft nun auch bei Tageslicht zu bestaunen. In der nächtlichen Fahrt erlebten wir sie in zauberhaftem Licht des Vollmondes.

So tuckern wir am Sonntagmorgen gemütlich wieder den Berg hoch um die legendäre Puenta del Inca zu bestaunen.

Mendoza; Kapitale des Weines!

Zwei Tage verbrachten wir mit vielen und langen Spaziergängen im grünen Mendoza. Die Hitze war hochsommerlich und sie sollte uns noch lange begleiten. Weiter fuhren wir über San Juan um den weiter westlich gelegenen La Fertil National Park und das faszinierende Val de Lune zu besuchen.

Das Tal des Mondes ist eine spektakulär bizarre Sehenswürdigkeit. In vielen Jahrmillionen entstanden hier die fantastischen Felsformationen. Unzählig die Formen und Farben. Es werden verschiedene Exkursionen angeboten, sogar eine Vollmondtour nach Mitternacht. Wir entschieden uns für die heisse Variante tagsüber; so geht es in einer kleine Kolonne von etwa acht Autos und einem Motorrad über Kies- und Sandpisten hinaus in das Tal. Die Führung ist leider nur in spanisch, aber mit den geringen Kenntnissen unsererseits haben wir in etwa den Schilderungen der jung Dame folgen können. Da die Tourguide im vordersten Wagen mit fuhr war die gefahrene Geschwindigkeit moderat. Ich behielt am Schluss der Kolonne einen guten Abstand, so dass ich ein wenig flexibler fahren konnte. Es sind zwölf Orte die man auf dieser Tour besucht und unterschiedlicher – auf so engem Raum – kann man sich eigentlich die verschiedenen Gesteinsarten gar nicht vorstellen. Von ödem Grau, über Gel bis hin zu leuchtendem Rot ist fast jede Schattierung zu finden. Bizarr ist insbesondere eine sandige Fläche auf der bis zu Fussball grossen schwarze Kugeln verteilt sind. Wohl ein Murmelspiel für die damaligen Dinosaurier...

Am Ausgang des Parkes machen wir noch Fotos von riesigen Kakteen.

 

 

Der weitere Weg führt über kleine Strassen nördlich um Cordoba herum. Unser Ziel ist die Laguna Mar Chiquita. Dies ist ein stark Salzhaltiger See inmitten der Pampa. Das kleine Städtchen Miramar hat sich zu einem argentinischen Ferienort entwickelt und bietet im überschaubaren Rahmen angenehmen Tourismus. So bleiben wir drei Tage dort und geniessen neben einem gewaltigen Gewitter auch ausgiebig die lokalen Köstlichkeiten und Musik. Den Nachmittag verbringen wir – erstmals auf dieser Reise – am Pool des Hotels.

Über San Francisco fahren wir nach Rosario. Endlos sind hier wieder die Felder. Unzählige Hektaren Getreide werden hier angebaut und dann und wann sehen wir riesige Siloanalagen am Horizont auf ragen. Bis kurz vor Rosario sind wir auf kleineren Strassen unterwegs. Vor der Stadt gehts kurz auf die Ringstrasse und schon weist mir das GPS den Weg zum „gäbigen“ Hotel. Wir gönnen uns diesmal eine Nacht im Holiday Inn. Etwas Luxus muss doch schon sein. Wobei, meine müde BMW sah schon ein wenig verloren aus auf der noblen Hotelzufahrt.

Der Tag zur Heimreise meiner Freundin rückte näher und so beschlossen wir, auf der Autobahn nach Tigre zu fahren um dort und später in Buenos Aires noch einige Tage zusammen verbringen zu können.

In Tigre fanden wir rasch ein günstiges und recht ordentliches Zimmer in einem ehemaligen Ferienheim. Ein wunderschöner, mit uralten Bäumen bewachsener Park lockte zu verweilen. Doch ich wollte meiner Begleiterin das hübsche Städtchen und vor allem das Delta des Rio Parana zeigen, das mich doch im Dezember zusammen mit Ueli schon so gefallen und beeindruckt hat. So genossen wir am nächsten Tag eine wunderbare Schifffahrt hinaus in die verschlungenen, grünen Kanäle um nach einem kurzen Spaziergang in einem kleinen Restaurant ein Assado zu geniessen.

Mit Wehmut im Herzen fuhren wir tags darauf in die Grossstadt Buenos Aires hinein. Noch zwei Tage hatten wir gemeinsam zur Verfügung um die Stadt und den Tango zu entdecken. - Es war wunderschön. Wir wohnten im Quartier Palermo im alten Hotel Palermo. Hier ist Buenos Aires wirklich am italienischten. Nur das Parken des Motorrades bereitete grosse Mühe, denn das Hotel hatte keine Garage und die umliegenden Parkhäuser nahmen keine Töffs an. So entschlossen wir uns die BMW in die Obhut von Javier und Sandra. Die Beiden betreiben die Werkstatt „Dakar Motos“ ( Link: http://www.dakarmotos.com/index1.htm ) . Dort angekommen treffen wir Georg, meinen Bekannten aus Ushuaia und seinen polnischen Freund. Sie campen bei Dakar Motos und suchen für das kommende Weekend ein Hotel in BA. Natürlich empfehle ich das Palermo. Sie versprechen zu kommen. So übergebe ich meine BMW und einen grossen Teil des Gepäcks an Javier und fahren mit einem Taxi zurück in die Stadt. Nachdem wir die wohl schönsten Plätze in Buenos Aires gesehen hatten, war es Zeit zum verabschieden... Hmmmm, es ist kein leichter Abschied und ich wage zu diesem Zeitpunkt gar nicht an die kommende Zeit, in der ich wieder alleine unterwegs sein, werde zu denken. Ursula fliegt über Nacht via Paris nach Hause. Wie schon beim Hinflug erlebt sie auch bei diesem Flug eine grosse Verspätung wegen des harten Winters in Europa.

Müde und abgespannt komme ich mit dem Taxi wieder ins Hotel zurück. Es ist brütend heiss, das Zimmer hat eine kaum nennenswerte Klimaanlage und wirkt so noch stickiger. Am anderen Tag kommt die SMS von Ursula; sie ist todmüde, aber wohlauf Zuhause angekommen. Nach den drei Wochen glücklicher Tour fehlt sie mir ungeheuerlich!

 

Ich bin froh, dass Georg und Jacek nun auch im Hotel sind. So können wir gemeinsam die nächsten Tage verbringen und den kaum existierenden Carneval von Buenos Aires suchen. Wir finden ihn, aber das ist wahrlich nur eine Randerscheinung. Zu allem Übel ist es der grösste Sport der jungen Leute und Kinder alles und jeden mit Rasierschaum einzuspritzen. Naja, Carneval findet halt in Rio und nicht am Rio de la Plata statt.