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Tierra del Fuego! Fin del Mundo

Kurz nach dem verlassen von Rio Gallegos kam ich wieder eine für mich seit der Jugend faszinierende Grenze; die letzte Grenze der Welt, das Tor zum Fin del Mondo!

Am Zoll war ich sehr angenehm überrascht, wie gesittet und gut organisiert hier alles abläuft. Keine Spur von Schikane oder gar Bakschisch Forderungen. Nein, freundlich und mit Geduld wurde mir als Gringo alles erklärt. Speziell beim Ausfüllen des Formular für Chile muss man Lebensmittel deklarieren; zur Sicherheit fragte ich mit spenglish nach ob mein Toastbrot, die Spaghetti, Thunfischdosen oder die Tomatendosen auch vom Importverbot betroffen sind. Nein, sind sie nicht – sehr gut, also bleib mein Vorrat an Bord.

 

 Stürmisch und regnerisch heisst mich Feuerland willkommen!

So hatte ich es erwartet und so gefiel es mir; wild, zerzaust und nie Windstill. Wilde, unzähmbare Natur wenig nördlich vom legendären Kap Hoorn.

Trotz des Wetter gelangen mir herrliche Aufnahmen und vorallem gewaltige Eindrücker der Seen und Wälder und natürlich auch vom zum bewältigenden kleinen Pass. Dieser war eine kleine Herausforderung, da er den Sturm buchstäblich kanalisierte und mich hin und her riss. Doch schliesslich kam ich in Ushuaia an.

 

Das Herz klopfte schon ein wenig höher als ich am schön mit Holztürmchen gerstalteten Stadteingang vorbei fuhr. Nun war ich also wieder an einem Ziel meiner Träume angelangt! Vor drei Jahren, im Juli 09 erreichte ich mit der Tennie 2 das arkitsche Meer hoch oben im Norden Alaskas. Prudhoe Bay.

Nun bin ich also am anderen Ende Amerikas angelangt.

Es ist kalt, regnerisch und es stürmt – aber ich fühle mich glücklich.

Für die ersten beiden Nächten gönne ich mir ein Hotelzimmer in der Stadt und ziehe dann am 31. Dezember auf den Rio Pipo Camping.

Hier sind die Motorradnomanden versammelt und verbringen die Festtage.

Mit grosser Freude lerne ich nettte Menschen aus aller Welt kennen. Ganz sicher in bester Erinnerung bleiben mir Georg, ein Schweizer der die Panamericana gemeistert hat und rund um die Welt weiterreist. Fiona und Gino, ein schottisches Ehepaar unterwegs für ein Jahr auf der Panamericana von Süd nach Nord. Auch ein „Kücken“ war dabei; Olli, ein achzehnjähriger Engländer der alleine unterwegs ist mit einer neuen Tenere. Auch verschiedene Deutsche waren da. Unter anderem Claudia und Werner auf alten 2Ventilern.

Das Sylverter war dann also eine gemütlich, entspannte Feier mit Parilla und selbstgemachten Beilagen. Am grossen Tisch versammelte sich der bunte Haufen ztu einem herrlichen stelldichein! Auch die Famiilie des Besitzers des Campings feierte gemeinsam mit Freunden und uns den Abend. Englisch – deutsch – französich und natürlich spanisch! In all diesen Sprachen wurden Gespräche und Diskussionen geführt. Wunderbar!

Zu später Stunde entzündeten wir ein prächtiges Lagerfeuer in einer Grillstelle und verbrachten einen grossen Teil der ersten Nacht des neuen Jahres draussen. Aber für einen Moment musste ich doch wieder in den Festsaal, denn Gino und Fiona liessen schottische Tanzmusik laufen und lernten die Einheimischen schottische Festtänze. Eine Gaudi ganz besonderer Art!

Dass der erste Morgen im neuen Jahr erst so gegen Mittag statt fand, ist vermutlich nach vollziehbar. Leider verabschiedte sich die schottische Delegation schon an diesem Tag und wollte noch ein Stück nach Norden fahren. Schade, ich hätte gerne länger mit ihnen geplaudert. Georg und ich fanden uns zum gemeinsamen Nachtessen zusammen – ich machte in der Gemeinschaftsküche Spaghetti mit Tomatensauce und so genossen wir den abend mit angenehmen Gesprächen. Schliesslich brachen wir am dritten Januar in kleinen Gruppen auf um Richtung Norden zu fahren und uns dann und wann wieder zu treffen.

Etwas Aufregung verursachte mein Lisi bei den Deutschen. Denn die fanden ihr klappern und scheppern als gar nicht fein und urteilten schlecht über sie. Erst habeich mich ein wenig wirr machen lassen, dann aber beschlossen mal zu zu fahren und später mit Hans Mosimann in Worb zu telefonieren. Was nützen mir die Tips und Meinungen oder ganz klare Analysen, wenn sich dann herausstellt, das keiner dieser Fachleuten je einen komplett offenen Motor einer alten GS gesehen habe. Da verlass ich mich lieber auf die Ferndiagnose von Hans als bewährten Experten für die GS.

Wir füllten in Rio Grande nochmals unsere Tanks, denn wir hatten eine Strecke quer durch Tierra del Fuego nach Porvenir gewählt. Abklärungen bei Locals ergaben, dass der winzige Zoll offen sei und die Strasse befahrbar sei. Zügig ging es in der grossen Gruppe über die Ripio (Natur) Strasse. Beim ersten Teil meinte es sogar das Wetter noch gut mit uns. Zügiger Seitenwind wehte die Staubfahnen querab, so dass wir freie Sicht hatten. Landschaftlich war es pures Patagonien. Vom Sturm geformte Bäume und Sträucher, einsam Estancias und riesige Schafherden zeigten sich. Einige Arbeit machten wir dem winzigen Zoll; dank uns hatten die wohl schon am dritten Januar den grössten Andrang des Jahres – immerhin wären wir nun neun Personen dies abzufertigen galt. Aber auch hier viele freundliche Worte und das eine oder andere Scherzwort der beiden Zöllner. Die Beamten leben mit der Familie bis zu fünfzig Tage in der Station bevor sie wieder abgelöst werden.

 

Neugierig folgen uns die Zöllnern hinaus, denn wir wissen was sie sehen wollen – sie wollen sehen wie wir die Bachdurchfahrt mit den Bikes bewältigen. Der Bach war rund acht Meter breit und knapp Knietief, mit einer gewissen Strömung... Werner und Claudia zeigten mit Bravour wie man einen Fluss Quert und so folgte ich etwas übereilt den Beiden. Und es kam wie es kommen musste, in der Mitte des Baches verlor ich den Zielpunkt am anderen Ufer aus den augen und schaute aufs Wasser und schlingerte über die Steine und die Strömung tat den Rest zum Schauspiel. Schon lag ich mit dem Lisi im Wasser. Da ich den Finger am Killschalter hielt, konnte ich den Motor noch fast während des umkippens abstellen um grösseren Schaden zu verhindern. Soforet sprangen mir die Freunde zu Hilfe in de n Bach und gemeinsam bugsierten wir die BMW ans andere Ufer. Triefend nass bis auf die Knochen, die Stiefel gefüllt mit Wasser macxhte ich mich gleich ans abbauen des Sattel und Tanks. Der Luftfilter hatte doch einen Schluck Wasser erwischt. Werner war so gut und verkaufte mir seinen Ersatzfilter und mit viel Toilettenpapier wurde schliesslich das Filtergehäuse getrocknet. Lisi sprang wieder an und tuckerte erst ein klein wenig verärgert, tat aber bald wieder getreu ihren Dienst. Wenn vielleicht das scheppern und kleppern nun etwas hässig anhörte.

Dem chilenischen Zoll überschwemmten wir mit den nassen Stifeln und Hosen das Büro. Aber auch hier verlief die Abfertigung reibungslos. Dass ich innen und aussen nass war und die meisten meiner Kollegen gut gefüllte nasse Stiefel hatten schien noch nicht genug; denn es begann heftig zu regnen. Und dauerhaft, denn es sollte bis am frühen morgen durchregnen und ein wenig stürmen. Wieder in der Gruppe fuhren wir noch bis zum Lago Blanco. Eine Lage die sogar im üblen Wetter und tropfnass noch schön war.

Rasch bauten wir die Zelte auf und sammelten in der Umgebung Brennholz fürs Lagerfeuer. Unser Bushcamp war neben einem hübschen Campo Deportivo. Das hat nichts mit Deportierten zutun, sondern ist ein Sportlager – das leider zu dem Zeitpunkt leer und verwaist war. Mit einem kleinen Intermezzos mit Benzin und Feuer brannte schliesslich das Lagerfeuer herrlich warm und hell. Unter einem Tarp kochten wir unser Nachtessen und liessen den Tag mit viel Humor enden. Olli fand schliesslich auch noch ein Stück Wellblech auf dem wir die Socken und Handschuhe trocknen konnten. Sogar meine Kacke brachte ich ein wenig trocken in dem ich sie über dem Feuer schwenkte. Müde, sehr müde krochen wir in unsere Zelte und freuten uns an den trocken gebliebenen Schlafsäcken.

Der andere Morgen entschädigte für den Regen des letzten Tages; ein wunderbares Lichtspiel begrüsste mich und die Herrlichkeit des Lago Blanco präsentierte sich mit den vom windgepeitschten Bäumen und den bizarren Bergen und Hügel rings um. Natürlich brachte der Wind genau während des Zeltabbaus nochmals eine einsame Regenwolke über den See. Etwas hektisch wurde so schliesslich aufgepackt und die Fahret ging weiter durch eine traumhaft faszinierende Landschaft. Während den vielen Halts zum pinkeln oder Kekse essen, merkten Georg und ich, dass wir nicht so wohl in einer grossen Gruppe sind und beschlossen in Porvenir uns eine Nacht im Hotel zu gönnen und die Deutschen am nächsten Morgen dann an der Fähre wieder zu treffen.