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Patagonien Teil 2

der Weg nach Norden

Punta Arenas;

Die Abfahrt von der Fähre glich fast ein kein wenig einem Landeunternehmen; rasselnd senkt sich die Frontrampe und gibt die Sicht frei auf einen noch unbekannten Quai. Rasch werden wir mit unseren Motorrädern nach vorne gewunken und fahren von Georg geführt zur Werkstatt von Motoaventura. Dort angekommen treffen wir einen Engländer wieder, den wir in Ushuaia kennen gelernt haben. Der Mechaniker hört sich den Motor meines Töffs an und ist auch ratlos woher oder von was das Klappern im Motor kommt. Ich beschliesse den Mech meines Vertrauens in der Schweiz anzurufen und mir per Ferndiagnose Rat zu holen. Die Gruppe der Deutschen feilscht derweil mit dem Mech von Motoaventura um den Preis von Occasionsreifen. Kaum zu glauben wie weit Geiz gehen kann! Kaum genug Geld um von Gratis Camping zu Billigst Unterkunft zu tingeln und dann noch die Reise verlängern in dem man für Reifen mit 40% Profil noch um ein paar Pesos feilscht. Ich habe genug von diesem „Gstürm“, noch dazu dass laufend unsere Bikes kritisiert wurden. Meine R100 ist zu alt und Georgs 1200GS ADV ist zu neu um fernreisen zu unternehmen. Naja. So machen Georg und ich uns mal wieder auf die Suche nach einer guten Unterkunft die wir auch rasch finden und uns noch einmal einen gemütlichen Chilenischen Abend gönnen.

 
Torres del paine Nationalpark
 

Anderntags fährt mein Freund weiter nach Rio Gallegos um dort andere Biker zu treffen und mein Tagesziel ist Puerto Natales, rund 400 km nördlich von Punta Arenas gelegen.

Zuerst aber das Telefon mit meinem Mech, Hans Mosimann in Worb; er hört sich meine Schilderung an, überlegt und kommt zum Schluss, dass es vermutlich ein eingeschliffener Ventilstössel ist der da klappert. Er meint dass ich damit noch lange fahren kann. Ein klein wenig beruhigt beginne ich den neuen Fahrtag. Auch der Wettergott Patagoniens spielt am Anfang noch mit; nur starker Wind, aber kein Regen treibt mich durch das karge Land. Wilde Felsen und magere Wiesen mit vielen Distelartigen Gewächsen begleiten mich. Natürlich wie immer ist jeder Meter entlang der Strasse mit sieben Drähten hoch eingezäunt. So gibt es eine kurze Rast auch hier nur direkt am Strassenrand. Fasziniert sehe ich zum ersten mal Condore majestätisch über die sanften Hügel gleiten. Perfekt nutzen sie den Sturmwind aus um im Hangwind Höhe zu machen und nach Aas Ausschau zu halten. Mit ihren eleganten Flügeln und den weit gespreizten Federn am Flügelende parieren sie jede Böe geschickt. Ich beende die Rast mit kleinem Wehmut, hoffe aber später ind den Anden nochmals Condore zu sehen.

Rund hundert Kilometer vor meinem Tagesziel treibt der ewige Sturmwind die Wolken dichter und dichter über den Horizont und bald schon bin ich wiedermal in voller Regenmontour unterwegs. Es giesst in ströhmen und der Wind treibt die Nässe durch jede Ritze. Aber natürlich hört der Regen kurz vor dem Ziel auf und ich mache mich Nass, aber auf trockenen Strassen auf die Suche nach dem kleinen Hostel „Rogers“ in der Avenida Rogers. Ein Geheimtipp von Georg den ich nun aber gerne publik mache, denn das Haus ist sehr empfehlenswert! Nass und etwas durchkühlt läute ich an dem schmucklosen Haus und werde gleich aufs herzlichste begrüsst. Rasch werden die nassen Töffkleider in der guten Stube über den Ofen gehängt, das Motorrad draussen im Hof im Unterstand ins trockene gestellt. Das Zimmer ist klein, aber gut gepflegt und sauber, das Gemeinschaftsbad ebenfalls sauber. Ein winziger Fernseher ziert das Zimmer und ein gutes Wifi Signal krönt den Aufenthalt hier. Inklusive einem reichhaltigen Frühstück kostet das Zimmer knapp 20 Franken pro Nacht. So gönne ich mir erst mal eine „Aufwärm Siesta“ um dann im lokalen Pub ein preisgekröntes lokales Bier zu geniessen. Abends besuche ich in ein kleines Parilla Restaurant und gönne mir ein zartes Stück Lamm vom Grill.

Puerto Natales hat eine grosse Tradition als Hafen für Walfänger und Versorgungshafen für allerlei Kolonien und Silberbergwerke in der Vergangenheit. Heute ist die Fischereiflotte um ein vielfaches verkleinert und der Ort lebt vom Tourismus. Schliesslich ist Puerto Natales der ideale Ausgangspunkt um den National Park Torre del Paines zu besuchen. Herzlich wie die Begrüssung war auch der Abschied von den netten Wirtsleuten.

Rund neunzig Kilometer Ruta Ripio muss man zurücklegen um zum Parkeingang zu kommen. Die Strasse ist übelst, wird aber von den Lochpisten im Park selbst noch um ein vielfaches übertroffen. Rund vierzig Franken ist der Eintritt, dabei inbegriffen ist bei meinem Besuch natürlich der peitschende Sturmwind und dann und wann ein Regenschauer. Ich quäle mich gegen den Seitenwind zum Lago Nordenskijöld um dort die treibenden Eisblöcke des Grey Gletschers zu beobachten die majestätisch im See treiben und unter gewaltigem Donnern und Krachen weiter auseinanderbrechen. Das Wetter verkürzt meinen Aufenthalt hier. Den berühmten Berg und Namensgeber des Parks, den Torre del Paines sehe ich nur durch Wolkenfetzen hindurch. Tief verschneit zeigen sich hier die Berge nur Augenblickweise um sich dann wieder in Nebel und Regenvorhänge zu hüllen. So beschliesse ich den Park halt nur zur durchfahren und weiter nach Norden zu kommen. Auf dem Weg zum westlichen Ausgang geniesse ich für eine kurze Strecke den Wind im Rücken und erlebe zum ersten mal keinerlei Fahrtwind zu verspüren und dazu noch zu beobachten, dass mich mein eigener Staub überholt! Ich schaue auf den Tacho und muss es glauben; ich fahre fast neunzig Km/h und meine eigene Staubfahne überholt mich! Das Spektakel ist nur von kurzer Dauer und schon kämpfe ich wieder mit dem Seitenwind der sich brüllend auf mich stürzt und mit gewaltigen Böen an mir zerrt. Will ich anhalten muss ich die Position des Motorrades vor planen, so dass ich in einem geschickten Winkel zum Wind zu stehen komme. Ein paar Grad zu wenig in den Wind gestellt und das Bike wird über den Seitenständer geworfen. Was für eine ewige Energie hier wütet! Vor dem Zoll gönne ich mir noch ein wunderbares Sandwich nach chilensicher Art und erledige dann gemütlich die Formalitäten der beiden Grenzen. Viel ist nicht los hier und so haben die Zöllner auch ein wenig Zeit für einen Smalltalk in „spenglish“.
 

  
Torres del Paine NP
 

Endlich auf der legendären Ruta 40!

Das ist die „Motherroad“ Argentiniens! Zweitausend Kilomter länger als die Route 66! Zu meinem heutigen Vergnügen ist der vor mir liegende Abschnitt zu zwei drittel wunderbar Asphaltiert und so flitze ich durch die wilde Landschaft nach Norden um noch am Abend in El Calafate einzutreffen. Die Landschaft ändert sich langsam zu einem weiten Weideland. Die Ebenen sind gewaltig und eindrücklich. Eigentlich sind es Täler, aber so weit, dass man versucht ist sie Ebenen zu nennen. Wunderbar spielt nun gegen Abend das Licht und die Schatten auf den Felsen und Wiesen. Silbrig glänzen die Flüsse aus dem braun grau der Pampa heraus.
 

 
 
El Calafate; wieder ein Touristenort der sich hauptsächlich entlang der Hauptstrasse entwickelt hat. Ich suche anfänglich nach einem günstigen Hotel, treffe dann aber zum Glück an einer Tankstelle Claudia und Ingo. Die beiden netten Motorradfahrer sind unterwegs nach Süden und haben sich auf dem örtlichen Campingplatz eingerichtet. Gerne folge ich den Beiden zu diesem Platz. Sie sind mit BMW's unterwegs und haben zürcher Nummern montiert, denn sie leben und arbeiten in der Schweiz. Ihre Homepage kann ich sehr empfehlen! Claudia hat einen humorvollen Schreibstil! (Link)

Auf dem Zeltplatz sind die Velofahrer in der Mehrheit, doch zwischen Fahrräder und Zelten sehe ich ein weiteres, bekanntes Motorrad; es ist die Tenere von Ollie! Er freut sich riesig, dass wir uns schon hier wieder treffen! Abends im guten Restaurant des Campingplatzes beschliessen wir morgen gemeinsam zum berühmten Perito Moreno Gletscher zu fahren. Das Lokal ist Argentinien pur; der Grilleur schwitzt am Parilla Grill, die Bedienung ist freundlich und dreimal fällt an diesem Abend der Strom aus. Irgendwie gehören die Stromausfälle in Argentinien zum Leben. Egal ob in der Metropole Buenos Aires oder hier in der Provinz am Rande der Anden. Das Publikum jedenfalls begrüsst jeden Blackout mit einem langezogenen „Ohhhh“ und begrüsst wie eingespielt mit einem freudigen „Ahhhh“ das wieder kehrende Licht. Ob Humor oder Resignation hier mit spielen?

Anderntags lassen wir den Tag gemütlich angehen. Wir wollen erst am Nachmittag zum Gletscher aufbrechen. Zum einen weil dann die Touristenbusse wieder weg sind und zum anderen weil dann die Tageswärme länger auf die Eiszunge eingewirkt hat und so hoffnetlich grössere Eisblöcke abbrechen werden.

Die Fahrt startet um drei Uhr nachmittags bei wunderbarem Wetter – natürlich mit starkem Wind und gehörigen Böen. Rund achzig Kilomter sind es bis zum Gletscher. Pünktlich zum Parkeingang wandelt sich das Wetter und feiner Nieselregen setzt ein. Eigentlich nicht all zu arg, aber der Wind drückt wie immer jeden Tropfen tief in jede Naht. Vergnüglich ist aber die wunderbare Strasse die in unzähligen Kurven dem Lago Argentino folgt. Eigentlich wäre hier die Geschwindigkeit auf vierzig km/h beschränkt, aber die Strecke ist dann doch zu verlockend und so schwingen wir uns fröhlich durch die Kurven und Kehren, überqueren kleine Wildbäche auf Betonbrücken und geniessen mal wieder etwas Schräglage.

Kaum auf dem Parkplatz angelangt werden wir von Fiona begrüsst. Sie ist mit Gino auf dem Rückweg zum Campingplatz. Wir reden nur kurz und die beiden versprechen am späteren abend uns auf unserem Camping zu besuchen Fein, das freut mich sehr! Zuletzt gibt uns Fiona den Tip, nicht mit dem Bus zum Gletscher zu fahren, sondern den Wanderweg zu nutzen, es seien nur 1200 Meter! Ollie und ich gehen also los zum Wanderweg und stellen bald mal fest, dass es wohl eher 1200 Höhenmeter sind und nicht 1.2 Km Wanderstrecke... Naja, da kommt der alte Mann halt schon etwas ins schitzen, aber die Aussicht auf die Gletscherfront entschädigt unterwegs doch alle Anstrengung und die unzähligen Treppenstufen. Dann und wann wischt wieder ein kurzer Regenschauer über den See, doch auch so ist der Eindruck gewaltig; bis zu sechzig Meter erehbt sich die Eisfront über dem See. Millionen Tonnen Eis drücken vom Berg herunter den Gletscher jeden Tag weiter. Im Gegensatz zu de nmeisten Gletscher in der heutigen Zeit ist der Perito Moreno noch am wachsen und nicht auf dem Rückzug. Bis zu dreissigtausend Jahre dauert es, bis der am Gipfel gefallene Schnee hier unten anlangt und in zum Teil gigantischen Brocken abbricht. Mit gewaltigem Donnern und Knallen laut wie Kanonen sprengt sich das Eis. Der gewaltige Druck lässt das gefrorene Wasser knarren und ächzen. Lösst sich eine Spannung und öffnet eine neue Spalte ist der Lärm gewltig wie bei einer Sprengung! Fasziniert beobachte ich wie Eisblöcke abbrechen und im See untertauchen um dann später wieder auf zu tauchen und gemächlich abgetrieben werden. Gut drei Stunden verbringe ich mit Ollie auf dem Aussichtspunkt. Der junge Engländer ist herzlich um mein Wohl besorgt und hat ein kleines Picknick mitgenommen, das er mir jetzt offeriert. Eier, Käse und Schinken mit Brot. Perfekt! Doch auch während dem Essen bleibt unser Blick fix auf die Gletscherfront gerichtet. Gespannt verfolgen wir jedes Krachen und erleben zum Schluss nach all den kleineren Abbrüchen, wie sich eine sechzig Meter hohe Eispitze mehr und mehr nach vorne neigt um schliesslich mit gewaltigem Getöse auf einer breite von vielleicht dreissig Meter abzubrechen und mit hoher Fontäne in den See zu fallen. Einer Sturmflut gleich breiten sich die Wellen über den ganzen See aus und geben so einen Eindruck über die Masse an Eis die abgewruitscht ist! Absolut faszinierend war aber ein blauleuchtender Eisblock der Minuten später – als sich der See längst wieder beruhigt hatte – in einer majestätischen Langsamkeit wieder auftauchte und einem klaren Eiswürfel gleich sanft im Wasser drehte. Mit Wehmut machen wir uns schliesslich auf den Weg zurück nach El Calafate. Der Regen hat aufgehört, die Strasse nach Westen ist trocken und frei vom Verkehr. Wir gehören wohl schon zu den letzten die den Park noch verlassen. Ich geniesse die Kurven von ganzem Herzen und lasse die BMW durch die Kurven schwingen. Es ist wunderschön in das nun sanfte abendliche Licht zu fahren. Die sanfter werden Hänge leuchten intensiv in allen möglichen Farbtönen und Schattierungen. Doch bei aller Freude am Fahren und schauen merke ich doch auch, dass Ollie sehr müde ist, denn er kann mir kaum folgen. So warte ich halt dann und wann auf ihn und geniesse für ein paar Augenblicke in langsamerer Fahrt den herrlichen Abend.

Zurück auf dem Camping dann die Überraschung, hier hatten sie einen warmen und sonnigen Nachmittag ohne Regen. Scheinbar haben die achtzig Kilometer Entfernung zu den Bergen gelangt um ein anderes Wetter zu haben. Schön! Denn so geniessen wir einen warmen Abend! Von Claudia erfahre ich dann noch, dass Ingo gestern Stundenlang auf das Abbrechen eines Eisblocks gewartet hat und das Teil hat sich nur geneigt, aber ist nicht gebrochen. Er ist immer noch enttäuscht darüber und ich wage es gar nicht ihm meine Bilderserie zu zeigen die den grossen Abbruch von heute zeigen...

Gekrönt wird dieser aber dann noch vom Besuch meiner schottischen Freunde. Im Restaurant geniessen wir eine wunderbare Flasche Cabarnet Sauvignon und unterhalten uns bestens. Ich liebe den schottischen Dialekt der Beiden. Da rollt der R breit und lang.


 
    
Perito Moreno Gletscher
 

Anderntags gilt es mal wieder zu packen und zu aufs neue gegen Norden zu fahren.

Wieder auf der Ruta 40.

Flott geht die Fahrt über meist guten Asphalt weiter. Ich habe in El Calafate noch bis oben hin vollgetankt, denn von nun an in die Tankstellen dünn gesät und man weiss auch nie, ob die nächste Station auch wirklich Benzin vorrätig hat, oder mit leerer Zisterne auf die nächste Lieferung wartet. Wieder peitscht der Westwind übers Land und zerrt an mir und dem Motorrad. Stets nach links geneigt geht die Fahrt geradeaus weiter. Bald einmal schmerzen die Schulter und die Hände. Bald schon endet der Asphalt und die Gravelroad wird bald schon übelst. Bei Tres Lagos, einem armseligen Kaff mitten im Nichts, soll es Benzin geben. Ich brauche natürlich noch keines und fahre locker an der Tankstelle vorbei. So locker, dass ich mich verfahre und von der Ruta 40 auf die 288 gelange. Ich bin trotz der miesen Strasse gut in Schuss und bemerke meinen Fehler erst nach etwa zwanzig Kilometern. Scheinbar ist auch hier die Garmin Software nicht so zuverlässig, denn Fräulein Garmin findet, ich sei auf der richtigen Strasse... naja. Fotohalt war eh angesagt und so gibts nun halt auch noch einen Navigationshalt. Da die Strasse aber besser und besser geworden ist beschliesse ich halt den Umweg zu fahren. Später erfahre ich dann, dass es eine sehr gute Entscheidung war! Die Landschaft ist gewaltig! Ich bewege mich am Rand eines Plateaus das von einem breiten Canyon begrenzt wird. Im Osten der Canyon und im Westen fern die weissen Gipfel der Anden. Wunderbar! Nun ist die Kiesstrasse auch so gut, dass ich mit gut hundert km/h zufrieden vorwärts komme. Nach rund 150 Kilometern komme ich auf die Asphaltierte Strasse die mich schliesslich zum Städtchen Gobernador Gregores führt. Dank dem „kleinen“ Umweg von rund 150 Kilometern, ist es doch ein fünfhundert Kilomter Tag geworden. Verschwitzt und müde fahre ich nach dem Tanken zum lokalen Supermarkt um fürs Abendessen einzukaufen. Und da stehen bereits zwei BMW's vor dem Laden. Gino und Fiona sind, obwohl Stunden vor mir aufgebrochen, eben erst angekommen. Die beiden Freunde sind sichtlich geschaft! Die ruta 40 muss fürchterlich gewesen sein. Noch dazu da die Beiden nicht sehr gerne auf Gravel unterwegs sind. Gemeinsam geniessen wir den wohlverdienten Feierabend auf dem Gratis Campground der Gemeinde. Als wir am kochen sind kommt noch der Leiter des örtlcihen Tourismusbüros angefahren und frägt nach unserem Wohlbefinden. Perfekt, danke!

  
 

Andertags schlafen Gino und Fiona aus, während ich schon zusammenpacke. Schliesslich kriechen sie doch noch aus dem Zelt und wir verabschieden uns wieder mal. Treffen werden wir uns ja sicherlich wieder auf dem Weg nach Norden. Die Zahl der möglichen Strassen ist ja gegeben.
Kaum aus dem Kaff raus endet die Asphaltstrasse und eine Umleitung zwingt den Verkehr in eine sehr üble Piste die eher einem ausgewaschenen Bachbett ähnelt denn einer Strasse. Und dann, oh Wunder! Daneben ist ja eine wunderschöne, neue, schwarzglänzende Asphaltstrasse! Nur dass die noch gesperrt ist. Mit Erdwällen ist die Auffahrt gesperrt. Für Autos und LKW gesperrt... das gilt doch nicht für ein kleines, unschuldiges Töffli, oder? Also quer durch und auf den Asphalt. Die nächsten dreissig Kilometer fliegen förmlich unter mir durch. Daneben quält sich der eine oder andere Pkw durch den Staub. Dann wieder ein paar dutzend Kilometer ganz ohne Asphalt und schon wieder holt sich das Spiel und ich bin wieder auf der fertigen Strasse alleine unterwegs. Dann und wann sind Arbeiter noch am fertgistellen und winke n mir freundlichst zu. Mein Vergehen ist also nicht zu schlimm.

Baja Caracoles; eine Zapfsäule, ein Haus das Laden, Restaurant und Hotel in einem ist. Drumherum ödnis. Staub und trockenes Gewächs. Also wenn ich einen argentinischen Roadmovie drehen dürfte, dann würde hier der Showdown stattfinden! Einfach herrlich und auch ein wenig skurill. Dafür schmeckt das grosse Sandwich und die eiskalte Cola bestens. Ich geniesse noch ein wenig die Szene als schliesslich auch die Schotten eintreffen. Nach ihrem Lunch beschliessen wir noch bis Perito Moreno zu fahren und dort zu campen.
 

 

 

Auf der Ruta 40

Perito Moreno; Gletscher, Nationalpark oder nun Städtchen?

Der Name taucht in Argentinien immer wieder und überall auf. Was bedeutet also dieser viel verwendete Name? Es geht um dem Wissenschaftler Francisco Pascasio Moreno (1852 – 1919). F. P. Moreno war einer der wichtigsten Erforscher Patagoniens. Da er auf den Gebieten Tier-, Pflanzen- und Geologischen Expeditionen unterwegs war und in verschiedenen Fachgebieten forschte, erhielt er den Titel „Perito“, was übersetzt soviel heisst wie Sachverständiger oder einfacher Fachmann. Perito gilt als Ehrentitel.

Die Fahrt ist gewlatig schön! Die Landschaft ist weit und wandelt sich in herrlichen Farbenspielen der Felsen und der wenigen Pflanzen. Rund hundert dreissig Kilometer trennen uns noch vom Tagesziel. Perito Moreno ist lokal für die Viehzucht wichtig, ansonsten ist es nichts weiter als eine Kleinstadt am Rande der Wüste.
Etwas am Rande des Städtchens fanden wir einen feinen, kleinen Camping. Sehr sauber und neu. Sogar mit Wifi. Doch hat der lange, heisse Fahrtag an uns seine Spuren hinterlassen und so sind wir noch vor Mitternacht in den Zelten. Fi und Gino beschliessen anderntags einen Ruhetag einzulegen und mal wieder eine Lavanderia, eine Wäscherei zu suchen. Also wieder einmal eine herzliche Verabschiedung!

Lange ist mein Fahrtag nicht. Nur sechzig Kilometer gilt es zu meistern. Los Antigues heisst das Ziel. Doch zuvor mache ich am Lago Buenos Aires halt um die herrliche Brandung zu geniessen. Obwohl es „nur“ ein See ist, donnert hier eine Brandung mit fast eineinhalb Metern hohen Brechern an den Kiesstrand! Anhand der Wellen sieht man förmlich woher der Wind weht. Er stürmt die wilden Abhänge der Anden hinunter um dann mit aller Gewalt über den See zu fegen.

Los Antigues ist vorerst meine letzte Station in Argentinien. Morgen geht es auf der chilenischen Seite des Sees weiter. Doch vorerst mache ich Rast auf dem Campingplatz und geniesse ein Gaucho Volksfest mit Rodeo und Markt.