Tagebuch > Patagonien Teil 1

Ruta 3 – Südwarts!

Nun beginnt also die lange Kilometerjagd in den Süden

 

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Buenos Aires verlasse ich via die Ringstrasse General Paz um auf einigen Kilometern Autobahn rasch Richtung Süden zu kommen. Mein Tagesziel sind die Hügel von Tandil.

Die Autobahnen sind gebührenpflichtig, später sogar Teile der Landstrasse in der Provinz Buenos Aires. Aber auf der normalen Strassen haben die Zahlstellen einen schmalen Bypass für Motorräder, denn die fahren gratis – perfekt .Interessant ist auch, dass mit jedem Kilometer mit dem ich mich von der Hauptstadt entferne, die Strassen besser und besser werden. Natürlich glaube ich nicht, dass es lange so gut weiter gehen wird.

 
 

Die Sierra Tandil ist nicht sehr hoch, rund fünfhundert Meter, aber nach der flachen Pampa Humeda ist der Anblick der schroffen und zum Teil bizarr geformten Felsen eine angenehme Abwechslung. Um mich an das beladene Bike auf Gravelroads zu gewöhnen mache ich kleine Ausfahrten über Nebenstrassen zu den Hügeln hinaus. Nebenstrassen – auch in den Dörfern – sind hier bereits nicht mehr asphaltiert. Ich finde rasch wieder mein Vertrauen zum Töff und den Pneus. Da kommt doch mal wieder Spass auf!

 
 

 

Die Fahrt geht über viele Tage flott vorwärts- Immer auf der Ruta 3 rollt die Landschaft an mir vorbei. Sanfte Hügel, gerade Strecken und unendliche Pampa. Und jeder Meter des Weidelandes ist eingezäunt. Ich glaube seit dem Ende des kalten Krieges gibt es kein besser mit Stacheldraht eingezäuntes Land als Argentinien. Eigentlich ist dies ja egal, aber wenn man mal vom Töff runter will, für ein Picknick oder im Zelt zu übernachten ist man fast chancenlos irgendwo von der Strasse abzuweichen. So werden einsame in die Pampa gestellte Tankstellen wie zu kleinen Oasen die vom Ödland umgeben sind und in sich alles bergen, was der Töffahrer zum weiterkommen braucht. So auch eine windgeschützte Ecke, wo man mal für eine Nacht sein Zelt aufschlagen kann. Die knappe Anzahl von Tankstellen spürt man fast bei jedem betanken, denn meist habe ich eine Kolonne von 20 bis 30 Autos vor mir. So warte ich halt auch geduldig in der Kolonne uind hoffe inständigst, dass die Tankstelle noch Benzin hat, wenn ich denn jemals bis zur Zapfsäule kommen sollte. Aus diesem Grund habe ich mir auch angewöhnt möglichst noch am Abend bevor ich zelte oder ins Hotel gehe zu tanken. Der Start am morgen mit einer dreiviertel Stunde anstehen an der Tanke ist nicht gerade motivierend.

 

 

 
 

Einige hundert Kilometer südlich von Bahia Blanca wird der Seitenwind so stark, dass michj bald schon die Schultern schmerzen. Ich sitze schräg auf dem Töff und spüre den zerrenden Wind am Helm. Das Fahren wird so zu einem steten Kampf gegen die Böen. Der Wind Patagoniens sollte mich nun mehr als einen Monat lang begleiten.

 

 

 
 

In Viedma mache ich einen Halt für die Nacht, finde rasch ein altes, aber gepflegtes Hotel das zahlbar ist. Da die Abende hier lang sind geniesse ich einen ausgedehnten Spaziergang durch die hübsche Stadt. Hier spielt das Leben im Sommer hauptsächlich am wunderschönen Flussufer. Eine Mischung aus Badestrand, Restaurants, Bar und Openairstimmung kommen hier zusammen. Später am Abend entdecke ich ein Tenedor Libre Parilla... Ich reime mir aus Tendeor = Gabel und Libre= Frei ein grosszügiges Barbeque vor und gehe hinein. Mit freundlichem Verständnis für mein mangelndes Spanisch erklärt mir die Bedienung das System: All you can eat auf argentinisch und das für 58 Pesos (rund 12 Franken). Also los! Ein Teller in die Hand und ab ans Buffet für die Vorspeisen, dann später gehts weiter mit Grillfleisch und Würsten und zum Schluss – wer denn noch kann – der hat ein reichliches Dessertbuffet vor sich. Wow. Trotz des angenehmen Preises waren die Beilagen und das Fleisch perfekt. Gestaunt habe ich über Familien die Buchstäblich wie die Heuschrecken eingefallen sind. Ruhig und sauber zwar, aber die haben Waren weggeputzt, einfach unglaublich. Ich glaube an meiner Ration hat der Wirt noch verdient...

 
 

Weiter geht die Fahrt zur Halbinsel Valdez. Ein absolutes Muss und Highlight auf der sonst eher tristen Ruta 3!

Auf einer guten Teerstrasse gehts rund 80 Kilometer über einen Isthmus hinaus in den Naturpark.

Ich baue mein Zelt im Camping Municipal von Purto Pyramid auf und schon donnerts und regnets in Strömen. Gleich mehrere Gewitter toben durch die Nacht und so kommt mein noch fast neues Zelt seine Feuer, öh, nein, wohle eher Blitztaufe. Es hielt stand und sich konnte am Morgen fast trocken wieder alles abräumen und in die Boxen versorgen

 
 

Die Insel ist im Innern eigentlich fast eine Wüste mit drei kleineren Salzseen. Aber rund herum spielen sich an den Stränden ganz grosse Naturschauspiele ab. Unzählige Seelöwen, Seelefanten sind zu beobachten und dann und wann auch die Finne oder gar mehr von einem Orca der hungrig in Ufernähe kreuzt. Das schlechte Wetter verkürzten meinen Besuch und ich nahm mir am frühen Abend ein Zimmer im nahen Puerto Madryn und verbrachte dort den heilig Abend.

Neben dem Hafen von Madryn liegen auch grosse, aufgegebene Fischtrawler. Zu meinem erstaunen lagen da zwei russische Trawler am Strand und verrotten. Aber abgesehen vom Rost schauen die noch seetüchtig aus. Keine Ahnung wieso die Schiffe hier strandeten und aufgegeben wurden.

 

 

 

 

 

 

Anderntags fuhr ich zur grossen Pinguin Kolonie von Punto Tombe.

Ein faszinierender Tag verging rasche mit dem beobachten der kleinen Kerle. Die Kolonnie ist mit Wanderwegen erschlossen und immer dort wo der Weg sich mit den „Hauptstrassen“ der Pinguine kreuz, sind Stege gebaut auf denen der Mensch von oben beobachten kann, ohne die kleinen Kerle und Damen zu stören. Manchmal fragte ich mich aber auch, wer wen hier beobachtete...

Tagelang zieht sich die Fahrt weiter. Schon seit Tagen habe ich meine Winterkleidung und die dicken Handschuhe aus dem Packsack geholt. Zum Schutz gegen den schneidenden Wind ziehe ich noch die Regenjacke über. Es bleibt ein Kampf um auf der Strasse zu bleiben, aber wenigstens stimmte nun die Temperatur wieder.

 

 

 
   

In Puerto St. Julian nächtige ich in einem kleinen, sehr gepflegten Hotel. Gleich daneben ist als Attraktion des Dorfes ein Nachbau einer spanischen Galeone am Ort des ehemaligen Hafens aufgestellt. Ich staune wie klein und zerbrechlich das Schiffchen wirkt. Da denke ich aber gerne wieder an die Grande Buenos Aires zurück, die ja fast ruhig durch den Sturm in der Biskaja schwamm. Was musste es die Abenteurer auf diesen Galeonen geschüttelt haben.

 

 

Anderntags gings weiter nach Rio Gallegos.

Die Stadt ist absolut kein Highlight, ist aber das Tor zum tiefen Süden, zu Tierra del Fuego.