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Gauchito Gil

ein kleiner Exkurs zu einem argentinischen Phänomen

Jeder der einmal auf Argentiniens Landstrassen unterwegs war bleibt die Figur des Gauchito Gil in treuer Erinnerung. Denn verteilt auf die vielen zehntausend Kilometern Landstrassen in diesem unendlichen Land findet man alle paar Kilometer eine kleine Gedenkstelle, manchmal gar kleine Tempel mit vielen roten Fahnen.

Was ist der Hintergrund?
Nun, es gibt verschiedene Geschichten und Legenden um den legendären Gauchito Gil; Verbürgt ist eigentlich nur der Name und sein Todestag; Als Antonio Mamerto Gil Núñez soll er um 1840 in Mercedes, Provinz Corrientes 1840 geboren worden sein und am 8. Januar 1878 hingerichtet worden sein.

Der Legenden zufolge soll er sich in eine reiche Witwe verliebt haben, damit aber deren Brüder verärgert haben und einen eifersüchtigen Polizisten, der ebenfalls an der Witwe interessiert war provoziert haben. Um dem sich abzeichnenden Ungemach aus dem Weg zu gehen schloss Gil sich der argentinischen Armee an, die in einen langwierigen Krieg mit Paraguay verwickelt war. Später, als wieder Friede zwischen den Rio de la Plata Staaten herrschte, wurde die Armee innerhalb der eigenen Landesgrenzen im Bürgerkrieg eingesetzt. Da Gil nicht gegen seine Brüder kämpfen wollte, desertierte er und floh in die Wälder.

Je nach Quelle lebte er in den Wälder als Guerrilla, Dieb oder Wegelagerer der aber einem Robin Hood gleich, das geraubte Gut unter der notleidenden Bevölkerung verteilte. 1878 wurde er schliesslich gefasst und zum Tode verurteilt. Da es aber viele Gerüchte über ihn und seine angeblichen Kräfte gab, fürchtete sich der Coronel Velazquez ihn zu erschiessen. So befahl er seinen Leuten den Gauchito Kopf nach unten zu hängen und ihm die Kehle durch zu schneiden. So sollte der hypnotische Blick Gil's machtlos sein.

Als letzte Worte drohte Gil dem Coronel, dass er seinen Sohn zuhause todkrank vorfinden werde, aber wenn er in Gil's Namen zu Gott bete, werde der Sohn wieder gesund. Velazquez liess ihn töten und fand später angeblich seinen Sohn todkrank vor. Er eilte zurück zum Grab Gil's und flehte um Gottesgnade für seinen Sohn und – o wunder – der Sohn genas rasch. Fortan verbreitete der bekehrte Coronel Velazquez die Legende vom heiligen Gauchito Gil. Der Mythos war geboren und breitete sich über das ganze Land aus. Heute feiern mehr als 200'000 Menschen jährlich am 8. Januar in Mercedes den Todestag ihres Heiligen. Nur die katholische Kirche weigert sich beharrlich den ex Soldaten, Wegelagerer und Märtyrer heilig zu sprechen.

Soviel zur Geschichte. Heute sieht man an vielen Autos und LKW's rote Bändchen oder Fähnchen als Zeichen zur Verbundenheit mit Gil. Denn er gilt als besonderer Schutzpatron der LKW Fahrer und der Reisenden. So wird auch gehupt, wenn gläubige an einer Gil Gedenkstätte vorbeifahren.

Die meisten der kleinen Pilgerstätten wurden als Dank für gehabtes Glück oder einen leidlich gut ausgegangenen Unfall errichtet. Die Bauart ist unterschiedlichen; vom Steinhaufen mit roten Fähnchen bis hin zu richtigen kleinen Kapellen mit der schnauzbärtigen Figur Gil's.