Tagebuch > Ende der Reise

Vorzeitiges Aus

der Motor der BMW mag nicht mehr...

 

Nachdem ich mit Georg und Jacek ein paar wunderschöne Tage in BA und bei Dakar Motos verbracht hatte, beschloss ich weiter zu reisen. Das schweizerisch polnische Duo wollte via Uruguay nach Brasilien und mich zog es wieder Südwärts. Ich wollte dreihundert Kilometer in Richtung Südwesten fahren um ein paar Tage bei „Pollo“ im Hostal la Posta in Azul  zu verbringen. Das Hostal ist ein Muss für Motorradreisende in Argentinien. Hoch motiviert startete ich und fand dank des Fräulein Garmin auch rasch aus den Vororten von Buenos Aires heraus und genoss die Fahrt hinaus in die Pampas. Natürlich auch ein wenig beflügelt von den Schilderungen über das legendäre Parilla das jeweils am Freitag im La Posta veranstaltet wird. Es soll ein legendäres Barbeque sein!

 

Aber es kommt halt immer wieder mal anders als geplant...

nach rund hundertfünfzig Kilometern stotterte der Motor, verlor die Kraft und schon leuchtete die Öldruckwarnlampe auf. Sofort schaltete ich den keuchenden Boxer ab und liess das Gefährt am Strassenrand ausrollen. Es windete unangenehm kühl und Wolken zogen rasch auf. Ja, es passt alles zusammen! Immerhin hielt ein einheimischer Motorradfahrer an und ihn konnte ich nach der nächsten Ortschaft oder Tankstelle fragen; dreissig Kilometer vorwärts kommt das nächste Dorf, aber nur rund fünf Kilometer zurück war eine Tankstelle an die ich mich nun auch wieder erinnerte. So dankte ich dem unbekannten Helfer, wendete die lahme BMW und begann sie in Richtung des aufziehenden Unwetters zu schieben. Immerhin tat ich an diesem Tag etwas für meine Fitness...

Nach einer langen Plackerei bei der Tankstelle angekommen, winkt mich der Tankwart schon an eine Zapfsäule – ist ja logisch, dass ich sofort Benzin brauche – wieso sonst schiebt man sein Bike zur Tanke? Doch etwas missmutig stellte ich das Bike vor den Tankstellenshop und der freundliche Tankwart kam zu mir rüber. Mit meinem Spanisch erklärte ich das Problem. Ich brauche eine Fahrgelegenheit für mich und die BMW zurück zu Dakar Motos. Minuten später bringt mir der nette YPF Mann den Bescheid, dass in einer Stunde ein Abschleppwagen komme, aber weil Feiertag ist, werde es teuer. Rund zweihundert Dollar. Naja, denn halt, irgendwie muss ich ja zurück kommen. Tatsächlich trudelte genau eine Stunde später ein uralter Chevrolet Abschleppwagen ein. Pedro, ein quirliger junger Kerl ist der stolze Besitzer des Gefährts das wohl gut und gerne doppelt so alt ist wie er. Rasch bugsieren wir das Bike über eine sehr schmale und steile Rampe auf die Ladefläche. Passanten legen spontan Hand an. Muchas Gracias! Noch fest zurren und das wichtigste Gepäck mit nach vorne nehmen und schon ruckelt der Oldtimer in Richtung BA. Und absolut perfekt im Timing beginnt es nun heftig zu regnen. Dass der Wrecker keine Scheibenwischer und nur noch Standlicht hat ist eine kleine Nebensächlichkeit die auf dem Lande in Argentinien niemanden gross stört. Nach zwei Stunden Fahrt sind wir vor dem Tor von Dakar Motos und laden im strömenden Regen ab. Ein Begrüssungsbier und ab unter die heisse Dusche! Dass ich schon wieder hier dusche hätte ich am morgen nicht gedacht...

 

Javier und ich machen uns am folgenden Tag auf die Fehlersuche, geben aber auf, als wir das Ausmass der Schäden feststellen. Ich beschliesse das Motorrad heim zu schicken und schweren Herzens die Reise hier zu unterbrechen und in einem der kommenden Jahre fort zu setzen. Kein leichter Entschluss...

Sandra, Javiers Frau  ist der perfekte Profi um Motorräder zu verschicken. Mit grosser Routine und den entsprechenden Verbindungen organisiert sie mir den Transport ab BA nach Zürich mit British Airwaqys zu einem recht akzeptablen Preis. So habe ich bis zum Transport fast nichts zu tun, ausser das Benzin abzulassen und das Gepäck entsprechend zu verteilen. Zu meinem Glück hat mir Ursula in der Schweiz das Ticket für mich gekauft, so dass ich nicht hier in BA buchen muss. Unbegreiflicher weise sind hier die Tickets nach Europa extrem teuer.

Ich hadere in diesen Tagen mit mir selbst. Nun geht also auch diese Reise mit einer grossen Panne und viel zu früh zu Ende. Die Enttäuschung ist riesig, eine gewisse Wut schleicht sich auch ein. Und doch – es war eine wunderbare Reise. Ein grossartiger Anfang um die Neugier auf Südamerika wach zu halten. Viele nette, spannende und vor allem lustige Menschen habe ich neu kennen lernen dürfen. Uendlich grossartige Eindrücke habe ich sammeln dürfen – und – und nun komme ich nach Hause und da wartet meine geliebte Freundin auf mich!

 

Ich freue mich auf das Morgen, wie ich mich auf das spannende, neue Kommende mit meiner Freundin freue. Nach der Reise ist vor der Reise. Einmal mehr...

 

Euer Märku aka Motonaut

 

Die Reparatur und den Wiederaufbau meiner BMW findet ihr demnächst auf dieser Seite: „Werkstatt“