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Carretara Austral - Chiles Weg in den Süden

 

wieder eine Strasse mit Mythos

 

Am Morgen im Zelt auf dem dicht belegten Camping Municipal in Los Antigues erwacht. Etwas ist anders als die letzten Wochen. Heute ist es windstill! Das erste mal seit meiner Abfahrt in Buenos Aires ist es richtig windstill. Nach dem Frühstückskaffee spaziere ich zum nahen Seeufer und da präsentiert sich mir ein tiefblauer, spiegelglatter See. Weiss und majestätisch strahle die weissen Gipfel der Anden am Horizont. Wunderbar ruhig und recht warm beginnt nun also dieser wunderbare Tag.

Zurück beim Zelt merke ich, dass ich mit meinem knappen Frühstück wohl zu früh war, denn es kommen zwei junge Damen mit Körben voller Brötchen und gläsern mit Konfitüre vorbei. Freundlich fragend gehen sie von Stellplatz zu Stellplatz. Kleines Business am Morgen. Ist doch eine gute Idee. Jedenfalls kaufe ich mir auch zwei Brötchen und geniesse die für argentinische Verhältnisse fast schon knusprigen Gebäcke.

Der Himmel ist perfekt blau und wolkenlos. Ein genialer Tag für die grosse Fiesta im Ort.

Wieder einmal wäge ich ab, was wo sicherer ist. Den Töff und alles Gepäck allein auf dem Camping zurück lassen, oder das wertvollste in die Alukisten verladen und den Töff möglichst geschickt im Ort parkieren? Ich entscheide mich für die zweite Variante und lade das kleinere Material in die Boxen. Zelt, Isoliermatte und den wunderbaren Schlafsack lasse ich stehen und hoffe, dass ich mir mal wieder zu viele Gedanken wegen Diebstahls mache.

Bis zum Zentrum komme ich heute nicht, schon am anfang des Städtchens ist die Strasse gesperrt und eine rumpelige Umleitung signalisiert, denn auf der Hauptstrasse ist heute der Markt aufgebaut. So parkiere ich die BMW in der Nähe der Polizeistation, schliesse ab und gehe rüber zum belebt, wuseligen Markt. Die Attraktionen auf der Kirmes sind überschaubar, aber herrlich anzuschauen. Die Fahrgeschäfte sind allesamt Marke Eigenbau. So liegen alle Antriebe für den Kettenflieger oder die grosse Schaukel offen und frei und mittels flatternden Traktionsriemen dreht sich auch das Karusell. Das kleine Riesenrad, eine sehr fragile Konstruktion aus dünnen Rohren und schmalen Winkelprofilen, Wird von einem offen liegenden Elektromotor angetrieben – die Kraft wird mittels Kardanwelle nund einer alten Jeephinterachse weiter gegeben. Ich finde diesen Ideenreichtum und diese Gabe aus Altstoffen neues zu schaffen einfach genial. Und vorallem freut mich, dass hier noch Tüftler und Könner walten können, ohne dass sich Tüv Fanatiker und kleinliche Gesetze in alles einmischen.

 

Weiter der Strasse entlang sind die Marktstände aufgebaut. Neben allerlei Leckerem vom Grill und süsses vom Konditor findet man fast neben viel Kitsch und Plastikspielzeugen auch wunderbare Kunsthandwerke. Aus Holz, Horn, Fell oder Stein werden wahre Wunderwerke ausgestellt und natürlich verkauft. Obwohl mich allerlei interessiert und ich ein paar Sachen später einmal gerne in die Wohnung stellen würde, kommt hier halt wieder das Beschränkung von Gepäck auf einer Motorradreise zum Zuge. Echte Freude können Souvenirhändler an Motorradfahrern nicht haben.

Gekrönt wird die Haupstrasse rechts von einem Hügel mit einer grossen Statue zu der ein Pilgerweg hoch führt. Die Aussicht wäre dort oben sicherlich gut, aber in anbetrtacht der nun herrschenden Hitze entscheide ich mich zum Besuch des Rodeos. Der Eintritt ist sehr niedrig und scheinbar wie gemacht um nur kurz reinzuschauen und wieder zu gehen. Für mich ist es – wie schon in Canada und den USA – kein grosses Vergnügen dieser Tierhatz zu zuschauen. Ich trinke ein Bier, beobachte bald mehr die Zuschauer als das Treiben in der Arena und verlasse das Rund bald wieder. Am Nachmittag findet eine Parade im Städtchen statt. Gauchos reiten in stolzter Haltung und herrlichen Trachten stolz durch den Ort. Ein herrliches Schauspiel! Später gönne ich mir ein riesiges, saftiges Bife de Chorizo und frischen Salat. Wein gibt es erst später, ich mag nicht mit einer Weinfahne meinen Töff unmittelbar neben der Polizeistation abholen. So kaufe ich mir einen wunderbaren Cabarnet Sauvignon und geniesse diesen Tropfen am Ufer des Sees beim Camping. Immernoch regt sich kaum ein Lüftchen, die abendilchen Farben spielen ihr letztes Licht über die Gtipfel der Anden und mehr und mehr gewinnen die dunklen Blautöne der klaren Nacht die Oberhand am Himmel. Von ganzem Herzen und vielen wunderbaren Gedanken geniesse ich diesen ruihigen Augenblick am See. Es ist eine Mischung von Fremdsein, aber umgeben von vertrautem wie die Berge und der See und einer angenehmen Form von Einsamkeit. Lange sitze ich auf der Ufermauer und sinniere zufrieden vor mich hin. Genüsslich zögere ich den Genuss des Weines hinaus, um die herrliche Harmonie dieser Nacht länger und intensiver geniessen zu können. - Vom Städtchen her höre ich Tanzmusik.

 

Anderntags geniesse ich wieder den Service mit den frischen Brötchen und mache mich dann auf um wieder einmal nach Chile zu wechseln. Das Zollprozedere kenne ich ja nun schon zur Genüge und auch hier an dieser Grenze werde ich sehr höflich und speditiv abgefertigt. Am chilenischen Zoll erhalte ich diesmal noch eine Broschüre über eine heimtückische Algenart, die ins Land geschleppt wurde und nun mit allen Mitteln bekämpft werden soll. Naja, dann kucken wir mal wie wir kämpfen wollen... Das winzige Granzstädtchen Chile Chico liegt am Lago General Carrera. Das ist der gleiche See wie vor der Grenze, nur dass er bei den Argentiniern Lago Buenos Aires heisst. Hier in Chile Chico gäbe es auch eine Fähre über den See nach Puerti Ingeniero Ibanez, aber wer die nimmt, der ist ein eiliger Einheimischer, oder ein Tourist, der nicht weiss was er verpassen wird, auf der Strasse rund um den See herum! Ich habe viel von der Schönheit der Landschaft hier gehört und gelesen, so dass ich im sauberen und sehr gepflegten Städtchen nur noch Wasser kaufe und mich auf den Weg mache hinaus auf die Landstrasse. Das westliche Ortsschild steht am Ende des Asphalts. Nun folgen also wieder viele Kilometer auf Kiesstrassen.

Die Strasse windet sich eng und schmal durch die Felsen, führt über kleine Pässe, aber erlaubt immer wieder den Blick zum See und den gewaltigen Bergen am Horizont. 

Achtung! Jetzt könnt ihr die Bilder anklicken zum Vergössern!

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Wieder unterwegs auf einer legendären Strasse:

Während sich östlich der Anden die Ruta 40 auf über fünftausend Kilometern von Norden nach Süden durch Argentinien windet, verläuft westlich der Anden die Carretera Austral in den Süden Chiles. Diese Strasse ist die einzige Landverbindung von Puerto Montt in den tiefen Süden Chiles. Die Carretera wurde in den siebziger Jahren im Auftrag von Pinochet und den Militärs gebaut. Zum einen um den Süden besser zu erschliessen, vor allem aber um der Armee Bewegungsfreiheit zu sichern.

 

Auf den ersten einhundertdreissig Kilometern schlängelt sich die Strasse von Chile Chico entlang des Sees nach El Martin. Die Kiesstrasse ist meist recht gut, auf vielen Kilometern steinhart und fast ohne lockeren Kies. Die Fahrt ist unglaublich schön! Unzählige male stoppe ich um die gewaltige Landschaft zu fotografieren, oder mich einfach auch nur staunend neben das Motorrad zu setzen und diese Schönheit zu geniessen. Beschrieben ist die Szenerie rasch und einfach; es ist das Berner Oberland im XXXL Format! Ich kann mich kaum satt sehen. Doch mein Tagesziel ist Puerto Tranquillo am Westufer des Sees. Auf Anhieb finde ich den netten kleinen Campingplatz des Dorfes. Er liegt etwas versteckt und kaum ausgeschildert hinter dem Fussballplatz. Die Begrüssung ist herzlich und die Atmosphäre familiär. Eine nette kleine Kochgelegenheit und sehr saubere Duschen und Wc's runden das Angebot ab. Gerne wäre ich länger geblieben, aber die Reise ist noch weit! So geht es anderntags zeitig los um die wunderschönen Marmorhöhlen zu bestaunen. Diese sind nur vom Boot aus besuchbar. Fast wie Kirchen sind diese Brüche in den Marmor geformt. Bizarr, gewaltig, bezaubernd und auch atemberaubend ist dieses einmalige Bauwerk der Natur, das in hunderterlei Farben schillert und glänzt. Verzaubert durch das kristallene Spiegelbild im sanft welligen Wasser. Ein wahrhaft zauberhafter Ort.

 

Weiter geht die Fahrt nach Norden, immer weiter auf der Carretera Austral.

Bis Cerro Castillo ist die Strasse meist eine akzeptable Gravelroad, ein Kilometer vor dem Ort beginnt der asphaltierte Abschnitt der Carretara.flott geht also die Fahrt weiter bis Coihaique. Es ist Zeit wiedermal zu tanken. Meine dick eingestubte PD braucht auf den Kiesstrassen rund sechseinhalb Liter. Hier in Chile ist der Most teurer als in Argentinien. Also lohnt sich sparsames fahren besonders. Trotz des hohen Preises ist eine Kolonne vor der Tankstelle – und das an einem Sonntagnachmittag! Es ist jetzt drückend heiss und ich schwitze toll in meiner Montur. So osit nach dem Tanken der Plan klar; Camping suchen, duschen und ein eisig kaltes Bier geniessen.

 

Gut hundertvierzig Kilometer auf perfektem Asphalt geniesse ich am nächsten Morgen. Unzählige Male stoppe ich für Fotos. Die Landschaft ist einfach gewaltig! Vielerorts ist es eine perfekte Bilderbuch Schweiz, einfach nur viel, viel grösser. Doch weiter Richtung Norden wird sich die Landschaft und auch der Wald rasch ändern. Nach villa Amengual endet die grosse Strasse und wird zu einer kleinen, oft nur einspurigen Gravelroad die sich durch den südlichen Regenwald schlängelt. Es geht über zwei kleinere Pässe. An manchen Stellen ist der Fahrweg so eng, oder so stark bombiert, dass gar das Kreuzen mit einem Auto eng wird. Wow... das ist nun also die berühmte, legendäre Carretara Austral. Die einzige Strasse in den Süden dieses herrlichen Landes!

Durch die gross blättrigen Pflanzen am Strassenrand und den dicht gedrängten Riesenfarnen entsteht wirklich der Eindruck einer Dschungelstrasse. Zu meinem Glück ist sie meist trocken und trotz der vielen Schlaglöcher und dem manchmal lästig tiefen Kies gut zu befahren. Gehörig erschreckend sind hier die Lastwagen. Normale vierzig Tonner quälen sich hier über diese Strasse. Die Kurven der kleinen Pässe sind so eng, dass ich mich schon fragte, wie hier Lastwagen durch kommen sollen. Es geht. Aber es bleibt kein Platz für andere übrig. Besonders nett ist es, wenn man mal etwas flott um eine Kurve kommt und einen Volvo Truck nur noch wenige Meter vor sich hat!

 

Dankbar war ich, als sich der Urwald lockerte und ich linker Hand den Canal del Puyuhuapi sah. Einem Fjord gleich schneidet sich hier das Meer weit in das Landesinnere und endet schliesslich im kleinen Dorf Puyuhuapi. Verträumt liegen die putzigen Häuser und die kleinen Fischerboot rund um die Bucht. Diese Siedlung ist noch recht jung. Sie wurde 1934 von deutschen Auswanderern gegründet. Eine Gruppe von vier Männern sollten hier das Land erkunden und die Grundlage aufbauen, so dass eine grössere Gruppe deutscher Auswanderer hier siedeln konnten. Der bald schon beginnende Weltkrieg vereitelte aber dieses Vorhaben. Die deutschen Spuren sind aber immer noch gut sicht- und hörbar.

Bei der Fahrt auf der gepflasterten Hauptstrasse fällt auf, dass man hier wohl hauptsächlich von Touristen lebt. So gibt es neben diversen Hostels auch zwei Campingplätze. Die Stellplätze sind überdacht – ist es doch hier die regenreichste Region Chiles. Obwohl schönes Wetter war, gönnte ich mir mal wieder eine richtiges Bett. Seit Puerto Natales zum ersten Mal. In der traditionellen Hosteria Alemana fand ich einen sehr freundlichen Empfang und ein hübsches Zimmer. Geführt wird das Haus von Frau Ursula Flack. Ihr Vater war einer der Auswanderer und hat dieses Haus in den dreissiger Jahren gebaut.Das Haus ist im Lauf der Jahre erweitert worden und bietet neben wirklich schönen Zimmern einen heimeligen Aufenthaltsraum und einen traditionell gediegen eingerichteten Frühstücksraum. Alles strahlt einen herrlich pionierhaften Geist aus. Frau Flack ist trotz ihres etwas schwachen Gehörs eine sehr angenehme Gesprächspartnerin die ein profundes Wissen der Gegend und ihrer Geschichte. Das Abendessen genoss ich auf ihren Rat hin im Cafe Rossbach, einem ebenfalls traditionellen Betrieb in der Nähe der Copec Tankstelle. Die Menükarte ist nicht sehr gross, aber dafür authentisch und die Gerichte inklusive der Kuchen einfach wunderbar! Ein Genusss!

Die Nacht war herrlich in diesem alten Holzhaus. Ich genoss den restlchen Abend im Aufenthaltsraum mit kurzweiligen Gesprächen. Dies ist wohl ein Vorteil, wenn es auf den Zimmern keine Fernseher hat – man hockt sich in den Gemeinschaftsraum und redet.

Am morgen gab es ein opulentes Frühstück, für mich als wenig Esser am Morgen wurde viel zu viel aufgetragen und als ich mit dem Essen zeitig endete scholt mich Frau Flack, dass mir ihr Frühstück ja gar nicht geschmeckt habe. Eine herrlich familiäre Unterkunft. Sie gab mir dann auch noch einige Tipps für Unterkünfte weiter in Richtung Norden.

Ich füllte noch den Tank bei der örtlichen Copec Tankstelle. Tankstellen sind dünn gesät im Süden Chiles. Und so gin es schon wieder auf die nun mehr sehr schlechte Carretara Austral.

Schlagloch an Schlagloch, Kiesstrecken und Baustellen wechselten sich ab. Bedingt durch die Baustellen kommt der Verkehr nicht mehr individuell vorwärts, sonder in kleinen Kolonnen. Wie eine wütender, staubender Tatzellwurm kommen mir die kleinen Konvoys vor. Nach Puerto Yelcho besserte sich die Strasse wieder und auch die Landschaft wurde wieder übersichtlicher. Und wenige Kilometer vor Chaiten begann mal wieder ein sehr kurzer Abschnitt Asphaltstrasse.

Chaiten ist ein bedrückender Ort.

Ein Ort den es eigentlich nicht mehr geben sollte, denn vor einigen Jahren brach der gleichnamige Vulkan aus und zwang die Bevölkerung zur Flucht und Aufgabe des Ortes. Heute sind viele wieder zurück gekehrt und haben ein neues Chaiten aufgebaut. Es sind nichtssagende, hässliche Billigbauten die sich an die neue Strasse reihen. Nur wenig daneben die Ruinen der mit Asche bedeckten Häuser.

Hier gäbe es die Möglichkeit mit der Fähre zur Halbinsel Chiloe überzusetzen. Doch ist der Fährpreis gewaltig überteuert und so mache ich mich auf den Weg nach Caleto Gonzalo um dort eine kurze Fähre zu nehmen. Insgesamt sind es nun drei Fähren die ich bentuzen muss bis Puerto Montt, doch ist dies immer noch sehr viel billiger als der Weg über Chiloe.

Als ich eine Stunde später am winzigen Fährhafen ankam legte die letzte Fähre des Tages gerade ab... perfekt. Doch gab es unweit der Anlegestelle einen zauberhaften Campingplatz der jedoch nur zu Fuss über eine Hängebrücke zu erreichen war. Der Zeltplatz gehört zum Parque Pumalin. Dieser Naturschutzpark ist gigantisch – und privat. Es ist das Projekt von Douglas Tompkins. Tompkins ist der Gründer des Labels North Face und hat mit seinen Millionen Dollars hier im Süden Chiles soviel Land zusammen gekauft um einen privaten Naturschutzpark zu errichten. Viele Informationen dazu findet ihr hier: Parque Pumalin. Der Parkbesuch ist Gratis, der Zeltplatz mit rund fünf Franken pro Nacht recht gündtig. Es hat auch eine sehr gute Infrastruktur und einen kleinen Laden mit dem wichtigsten. Das absolut wichtigste kann muss man nicht kaufen, das kann man sich ausleihen: eine schmale Schubkarre mit der man das Gepäck vom Parkplatz über den rund hundert Meter langen, verschlungenen Urwaldpfad und über die schwankende Hängebrücke zum Platz bringen kann. So geht das ohne grosse Plackerei.

Am nächsten Morgen hatte ich nichts zu pressieren, denn die erste Fähre fuhr erst um vierzehn Uhr. Wie immer in Fährhäfen, wenn man warten darf, da lernt man immer wieder nette Leute kennen. So auch diesmal. Ein canadisches Pärchen das mit einem schweizer Landrover unterwegs war. Ich war ein wenig verdutzt darüber. Sie klärten mich aber rasch auf; das Fahrzeug steht seit Jahren in Montevideo und wird vom schweizer Besitzer vermietet. Eigentlich eine gute Idee.

Die Überfahrt war nur sehr kurz – zwanzig Minuten, dafür gab es auf der kommenden Strecke eine regelrechte Jagd im Kolonnenverband. Es waren nur zehn Kilometer zu fahren um auf die nächste Fähre zu kommen. Die Fahrpläne der Schiffe ist zeitlich gut abgestimmt, so dass man ohne Wartezeit weiter kommt. Da ich in Chaiten im Fährbüro nicht reserviert hatte und folglich auch kein Ticket gekauft hatte, nahm mir der erste Offizier gleich nach dem Platz einweisen auf der Fähre den Pass ab; so kann er sich sicher sein, dass ich dann auch in seinem Büro bezahlen komme. Kurz nachdem Ablegen war ich aber dann nicht der einzige der sich vor dem winzigen Büro einfand. Zu meinem Glück konnte ich zu einem sehr guten Kurs in US Dollar bezahlen, so dass ich noch genügend Pesos hatte um nebenan in der ebenfalls winzigen Kombüse warme Sandwichs und eine Cola zu kaufen. Draussen im angenehm frischen Fahrtwind genoss ich das herrliche Sandwich chilenischer Art, aber zu dieser Spezialität später mehr.

Vier Stunden dauert die Fahrt entlang der Küste. Das Panorama der Berge ist herrlich. Ich lerne verschiedene nette Menschen auf dieser überschaubaren Fähre kennen. Ein herrliches Erlebnis! Bei der Ankunft in Hornopiren suche ich nach einem im Reiseführer gelobten Campingplatz. Den zu finden ist alles andere als leicht. Im Führer heisst es; Im Hafen die erste Strasse links, dann kommt der Camping in Ufernähe... nun ja; es sind rund drei Kilomter übelste Bachbettstrasse die sich am lokalen Fischereihafen und dann am Badestrand vorbei windet und dann zeigt sich, dass der Camping perfekt für Velofahrer und ähnliche sind. Denn vom Parkplatz geht es über steile Pfade und Treppen zum eigentlichen Campingplatz. Nicht schon wieder so weit weg vom Motorrad schlafen! Auf der Suche nach einem anderen, geeigneteren Platz finde ich Leidensgenossen und gemeinsam finden wir einen herrlich angenehmen und ruhigen Platz am Rande des Ortes.

Andertags gehts über eine elend schlechte Strasse und vielen Baustellen weiter zur dritten Fähre. Da ich in Hornopiren sogar einen Bancomaten gefunden habe, kann ich auch wieder in Chile Pesos zahlen und mir wieder ein vorzügliches Sandwich leisten. Zur Abwechslung wurde auf dieser Fähre das Bike nicht mit etwelchen Seilen, Ketten, Keilen oder Spansets gesichert. Es stand zwischen Autos, Reisebussen und LKW's mit Fischtanks eingeklammt und schwankte tüchtig mit dem schlingernden Schiff. So beschloss ich nur das Sandwich zu holen und den Rest der kurzen Überfahrt essend und gleichzeitig das Motorrad sichernd zu verbringen. Kaum ab der Fähre bin ich wieder auf „Ruta Ripio“ unterwegs. Es ist bewölkt und ganz fein regnets ein wenig als ich das Ende der Kiesstrasse erreichte! Wieder auf Asphalt. Schnurrend und leicht rollt die BMW in Richtung Puerto Montt. Mein Ziel ist es in Osorno – rund 120 Kilometer nördliche gelegen – einen Oel- und Pneuwechsel machen zu lassen. Georg hat mir da die Firma Motoa Aventura Chile wärmstens empfohlen. Ich mag aber nicht in den Abend hinein fahren und spät in Osorno ankommen und so suche ich mir im hübschen Hafenstädtchen Puerto Montt eine nette Unterkunft. Hier endet auch die lange und staubige Carretara Austral.


Moto Aventura in Osorno ist ein moderner Betrieb mit BMW Vertretung und Töffvermietung für Touristen. Ich habe Glück, denn es ist nur ein einziger Pneu für mein Hinterrad vorrätig. Ein Heidenau K – 60. Welch ein Glück! Hier ist wirklich alles auf die modernen BMW Motorräder ausgelegt. So kennt keiner der Mechaniker den Ort des Oelfliters meines Oldtimers und natürlich ist auch kein neuer auf Lager hier. Aber man ist ja ausgerüstet, hat mir doch in letzter Minute mein schweizer Mechaniker einen Reservefilter in die Hand gedrückt – aber in der Eile daneben gegriffen und mir einen falschen mitgegeben. Naja, das passiert halt.


Nach Osorno breche ich mit meinen Travelgewohnheiten und fahre auf die Autobahn. Ich habe in zwei Tagen einen wichtigen Termin in Santiago de Chile. Bis Santiago sind es aber immer noch rund eintausend Kilometer. Also los und mit etwas über hundert Kmh die von allen benutzte Autobahn. Neben den üblichen Benützern sind auch Fahrradfahrer und landwirtschaftliche Gefährte unterwegs. Aber immerhin alle in der richtigen Richtung. So gehts doch ganz gut neben einander her. Überrascht bin ich aber, als ich sehe, dass auch Traktoren und gar Mähdrescher die Autobahngebühr zahlen.

Absolut herrlich sind hier die chilenischen Strassenschilder die stolz die Kontur des schmalen Landes zeigen und mit Via Panam beschriftet sind. Und auf dem GPS Monitor steht es wunderschön: „Weiter auf der Via Panamericana“ !!!! Ich strahle und freue mich fast kindisch, denn wieder habe ich mir einen Bubentraum erfüllt!


Trotz dem raschen Vorwärtskommen auf der sehr gut ausgebauten und vorallem auch gut unterhaltenen Strasse, nehme ich doch recht viel von der Landschaft auf. Je näher ich Santiago komme, um so intensiver wird die Landwirtschaft sichtbar die in gigantischen Plantagen Obst und Gemüse produzieren.


In Santiago de Chile logiere ich im Patio Suiza. Das Patio ist ein herrliches kleines Hotel nahe dem Zentrum. Es wird von einem Schweizer seit Jahren geführt und sehr zu empfehlen. Die Zimmer sind sehr schön eingerichtet und bieten allesamt den Blick in den wunderschönen Innenhof der reich bepflanzt ist. Eine kleine Oase in der Grosstadt.

Dank der schweren Schneefälle in Europa trifft meine langersehnte Freundin einen Tag später ein als erwartet, so habe ich doch noch Zeit mich etwas über die Stadt schlau zu machen und vor allem auch endlich mal wieder sämtliche Wäsche in die Lavanderia neben an vom Patio zu geben.


Drei herrliche Tage verbringen wir gemeinsam in der intereassanten und eindrücklichen Stadt. So besuchen wir neben einem grossen, aber idyllischen Kunsthandwerkermarkt auch das historische Stadtzentrum und entdecken allerlei schönes und sehenswertes.


Weiter führt uns dann der Weg nach Valparaiso und Vina de la Mar. Es ist vieles neu für uns Beide; ich muss mich erst mal an das grössere Gewicht des Töffs gewöhnen.

Nach dem Abstecher an die neblige und doch etwas kühle Küste wenden wir uns gleich wieder dem Landesinnern zu. Denn nun soll es für viele hundert Kilometer in Ruchtung Osten gehen. Meine Freundin hat drei Wochen Ferien und die wollen wir nutzen um gemütlich bis Buenos Aires zu fahren, von wo aus sie dann heim fliegen wird.