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Buenos Aires & Tigre 

 

Dezember 2012

 
 

Nach dreissig Tagen an Bord der Grande Buenos Aires ging es am 13. Dezember in Montevideo, Uruguay, endlich mit dem Motorrad an Land! Die Verabschiedung von der Crew und dem Master war herzlich. In einem Monat auf relativ kleinem Raum ergibt sich halt schon eine gewisse Nähe.Bei der Fahrt um den Hafen rum hinaus in die Stadt sehe ich ein letztes mal die wirklich grosse „Grande“.

Da ich bereits einen Termin in Buenos Aires hatte, fuhr ich noch gleichentags nach Colonia um am nächsten Mittag über den Rio dela Plata nach Buenos Aires über zu setzen. Stolze 120 US $ kostet die rund einstündige Überfahrt. Mit dem GPS gemessen erreicht die Fähre starke einundsechzig kmh. Hmmmm... da verblasst die stolze Grande mit ihren 38.8 kmh. Mel jammert eine geschlagene Stunde über die teure Überfahrt und den für ihn zu teuren Kaffee an Bord. Nach dem Zoll, der übrigens sehr freundich und absolut unkompliziert war, verschwand Mel grusslos im Verkehr der Grosstadt. Irgendwie dann doch ein wenig komisch der Typ. Jedenfalls trauere ich ihm keine Sekunde nach und mache mich mit grosser Freude auf den Weg zu Ueli und Noemi.

Der Verkehr ist herrlich... herrlich chaotisch. Für eine Strecke weg vom Hafen, vorbei am Kolumbus Denkmal, etwa fünf Kilomter brauche ich über eine Stunde. Die drei spurige Avenida ist komplett mit LKW's blockiert, so dass ich nur selten nach vorne schlängeln kann. Dafür finde ich dank meinen Fräulein Garmin im ersten Anlauf das Haus meiner Freunde in einem Vorort der Millionenstadt.
Abends dann die Einführung in die Argentinische Art des Barbeque; das Parilla! Ich staune nicht schlecht als wir vor dem Restaurant stehen und durch die grossen Schaufenster auf einen gewaltigen, mehrere Quadratmeter grossen Grill sehen. Das Fleich liegt fast Berge hoch gestapelt und bereit für den Rost. Mir werden Chorizo Würste als Vorspeise empfohlen und dann gemeinsam eine Portion Fleisch die locker für uns alle drei langt. Gekrönt natürlich mit argentinischem Wein. Also in Argentinien Diät zu leben ist wohl eher ein schwieriges Unterfangen.

 
 
 

Tags darauf ging es mit Uelis Auto in die etwa ein Fahrstunde nördlich gelegene Stadt Tigre.

Das Städtchen ist fein herausgeputzt und glänzt in der warmen Sonne. Also wieder ein herrlicher Sommertag mitten im Dezember. Einfach wunderbar.

Dank meinen einheimischen Freunden bekomme ich natürlich viel zu sehen das mir sonst im vorbei fahren entgangen wäre.

Wir verberachten mehr als eine Stunde auf einem Omnischiff... Ommnischiffe sind etwa füunfundzwanzig meter Lange und rund vier Meter breite KabinenMotorboote, die im Linienverkehr nach Fahrplan die unzähligen Kanäle ind Inselchen im Delta des Rio Parana bedienen. Einfach herrlich mal einen echten ÖV auf dem Wasser zu erleben. Die Stimmung ist locker und fröhlich. Die Angelgestege sind unzählig und in den seltensten Fällen beschriftet, aber irgendwie gelingt es dem Steuermann und dem Kontrolleur im Heck des Bootes jeweils den richtigen Holzsteg anzusteuern. Und wenn dann halt jemand seinen Steg verpasst, dann wird nach vorne gerufen und der Steuermann knallt den Rückwärtsgang rein und tuckert fünfzig Meter rückwärts zum Steg ohne jeden Kommentar oder Anzeichen von Lästigkeit. Einfach herrlich. Die grossen Kanaäle sind rund zwanzig bis fünzig Meter breit und die Linienschiffe haben ein flottes Tempo drauf, so dass sie eine ansehnliche Bugwelle erezugen und das Ufer buchstäblich fluten. Kreuzer zweier grosser Boote gibts dann schon mal eine feuchte Abkühlung für die ganz aussen sitzenden Passagiere.

Begeistert bin ich über die verschiedenen Häuschen auf den Inseln. Manchmal kaum sichtbar in dichtem Grün versteckt, mal protzig in Glas und Beton gebaut direkt am Ufer. Die Bauweise und Architektur ist sehr unterschiedlich und reicht vom einfachen Blockhaus bis hin zur noblen Villa. Und scheinbar herrscht hier auch das ganz normale Leben auf und am Wasser. So sehe ich ein Ambulanzboot mit Blaulicht und Notarzt an Bord und der Tante Emma Laden kommt auch als vollbeladenes Schiff. Auf dem Kajütendach ist das Mineralwasser gstapelt und drinnen präsentiert sich ein reiches Angebot für den täglichen Bedarf. Sogar der Glaceverkäufer ist mit der Kühltruhe und einem Stromaggregat mit einem kleinen Boot unterwegs.

 
 
 
 
 
 

So verghen fünf herrliche Tage in Buenos Aires mit Freunden. Neben privaten Einladungen zum sonntäglichen Assado und verschiedenen Ausflügen in die Stadt konnte ich natürlich auch im Quartier La Boca den Tango live erleben.

 
 

Tiefpunkt war dann leider der hintere Pneu meines Motorrades. Bei der Kontrolle des Bikes sah ich einen Riss antlang der Längsnaht. Längs der Lauffläche links und rechts neben der besagten Naht zeigten sich zwei tiefe Risse. Der Pneu war schon soweit aufgegangen, dass er rechts an der Einarmschewinge scheuerte. Bravo. Gute Leistung für noch nicht mal eintausend Kilometer. Also anderntags dann meinen Ersatzreifen auf ziehen lassen. Ich hoffe der hält sich besser!

 
Wie immer beim Reisen heisst es Abschied nehmen. Und so schwer mir der Abschied von Ueli und Noemi auch fällt, mich lockt nun Patagonien! Also weiter ins Unbekannte!