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Die Reise und das Warum:

Was muss mich bewegen, um alles, aber auch wirklich alles zu verkaufen und zu verschenken das ich besitze? Wieso bin ich bereit, alle Bindungen zu lösen und auch die Sicherheit einer festen Arbeit und all der abgeschlossenen Versicherungen zu künden?

Nun, vielleicht, weil ich zuviel Besitz, zuviel Sicherheit und zuviel Alltag um mich herum versammelt habe. Ich besass eine heimelige Vierzimmer Mietwohnung in einem Bauernhaus, ein Segelflugzeug, ein Motorrad, mehrere hundert Bücher, CD’s, eine gut ausgerüstete Werkstatt für mein Flugzeug und mein Bike. Ich hatte den Standard um mich herum, den ich aber schon als Luxus kannte, denn ich hatte bereits erfahren, dass ein eigenes Badezimmer, eine eigene – jederzeit zur Verfügung stehende – Dusche ein wunderbarer Luxus sein konnte – eine Frage des Standpunktes also. 

Eine Frage des Standpunktes, des Standortes also…
Im Juni 2007 fand ich mich auf einem persönlichen Tiefpunkt wieder. Ich war satt. Ich hatte einfach zuviel von allem; Essen, Trinken, Musik, Internet, Sicherheit, Job, Routine, Routine, Routine. Einfach alles war verpackt in „Wohlfühlsicherheit“.


Und in dieser Situation erkannte, erfühlte, ich in mir, dass mir all diese Sicherheit den Atem stahl. Ein lohnendes, ein lockendes Ziel bot sich nicht mehr an, alles erstickte in Routine.  Aber endlich entdeckte ich in mir wieder die Sehnsucht nach einer elend langen Fahrt, nach der unstillbaren Sucht nach eben jenem ersten Kilometer, der hinter dem Horizont liegt…
Also begann ich meine Yamaha FJ-1200 wilder und vor allem weiter und weiter zu treiben um doch nur auch ein paar Stunden, ein Weekend lang, eben wieder jene Freiheit zu erleben, die ich nur auf meinen grossen Fernfahrten erleben durfte. Es ist eine Sucht. Wer sie erfahren hat, den lässt sie niemals wieder los. Das Unterwegs sein, das Reisen, schürt zum einen eine ewige Sehnsucht und Neugier, aber bei all den unzähligen glücklichen Erlebnissen auf Reisen, auch eine Unruhe im Geist.

Also, so ganz unbewandert bin ich nicht, was grosse Fahrten betrifft. Seit neunzehnhunderteinundachtzig bin, respektive war ich, im internationalen LKW - Fernverkehr tätig.  Für den echten Fernverkehr waren die achtziger und neunziger Jahre die goldenen Jahre. Ich befuhr neunundzwanzig Länder, oder rund 2.5 Millionen Kilometer in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Jahrelang hatte ich nicht mal eine eigene Wohnung. Für was denn auch, wenn ich zwischen zwei Transporten selten länger als drei Tage in der Schweiz war. Es war irgendwie ein Leben wie ein Komet, der zwischen Okzident und Orient seine Bahnen zieht.

Da ist es nicht verwunderlich, dass ich nun endlich wieder nach einer neuen Herausforderung suchte. Und nun fand…

RTW – round the World!